• Mag. Sonja Heppke

Hildegard von Bingen und ihre Superfoods

Hildegard von Bingen ist nicht jedem ein Begriff und doch trifft man heutzutage immer öfter auf ihren Namen. Ihr Wissen geriet aber viele Jahre in Vergessenheit und wurde erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt, und zwar von dem österreichischen Arzt Dr. med. Hertzka. Heute gibt es viele Vertreter der Hildegardischen Lehre und es wurden bis heute noch nicht alle ihrer Rezepte ausprobiert.

Hildegard von Bingen’s Sichtweise vom Menschen war eine Ganzheitliche. Nur ein ausgeglichener Mensch kann gesund sein und diese Gesundheit wird durch das, was er isst, gefördert oder eben nicht. Mit dieser Sichtweise und den in ihrer Ernährungslehre aufgestellten Regeln rückt sie die Eigenverantwortlichkeit des Menschen für seine Gesundheit in den Mittelpunkt. Dies galt damals und heute noch umso mehr, denn in der heutigen Zeit wird der Mensch mit dem Überangebot an Lebens- und Genussmitteln leider oft genug von einer gesunden Ernährungsweise weggelockt. Hildegard von Bingen machte zu ihrer Zeit zwar keine Werbung für Superfoods, doch gab es bei ihr einige Lebensmittel, die einen höheren Stellenwert hatten und aus dieser Sichtweise gewissermaßen zum Superfood der damaligen Zeit gezählt werden können. Diese Lebensmittel, die sie empfahl, hatten eine positive Eigenschaft für die Gesundheit des Menschen und sie nannte dies die „Subtilität“.

Diese Empfehlungen, welche sie zu den einzelnen Nahrungsmitteln und körperlichen Beschwerden abgab, decken erstaunlicherweise nahezu all jener Krankheiten ab, welche wir heutzutage unter den Begriff der „Zivilisationskrankheiten“ kennen und welche sich auf die Ernährungsfehler und auf unseren modernen Lebensstil zurückführen lassen. Zu nennen wäre hier beispielsweise Diabetes mellitus Typ 2, Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Allergien. Erstaunlich dabei ist vor allem, dass diese ganzen Erkrankungen zur Zeit der Hildegard von Bingen kaum bekannt waren und erst in der heutigen Zeit einen Grossteil der Menschen betreffen.

Das wichtigste Lebensmittel ihrer Ernährungslehre war der Dinkel. Ihre eigenen Worte beschreiben wohl am Besten, warum der Dinkel bei ihr so einen hohen Stellenwert hatte und als Grundpfeiler ihrer Ernährungslehre angesehen werden kann.

„»Der Dinkel ist das beste Getreide und er ist warm und fett und kräftig und er ist milder als andere Getreidearten und er bereitet dem, der ihn isst, rechtes Fleisch und rechtes Blut und er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen...Und wenn einer so krank ist, dass er vor Krankheit nicht essen kann, dann nimm die ganzen Körner des Dinkels und koche sie in Wasser und unter Beigabe von Fett oder Eidotter, so dass man ihn wegen des besseren Geschmacks gern essen kann, und gib das dem Kranken zu essen und es heilt ihn innerlich wie eine gute Salbe«, schreibt Hildegard in ihrer »Physica«.“ 

(Quelle: GOSCHLER, Ulli: Hildegards Energie Küche. Erkenne, was dir guttut. Kneipp-Verlag GmbH und Co KG, Februar 2014


Dinkel gehört zu den ältesten Getreidearten und ist wohl der wertvollste Vertreter davon. Da er aber einen relativen geringen Ertrag beim Anbau erzielt, fiel er in unserem Jahrhundert der Produktions- und Massengier fast gänzlich zum Opfer und wurde vom ertragreicheren, aber weniger inhaltsstoffreichem Weizen verdrängt. Dinkel wurde nicht wie der Weizen züchterisch bearbeitet und besonders der Ur-Dinkel ist bis heute durch seine ursprüngliche Kraft überaus wertvoll für unseren Stoffwechsel. Im Vergleich zu den anderen Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer besitzt der Dinkel einen höheren Eiweißgehalt und er ist jene Getreidesorte, welche besonders robust gegen Umwelteinflüsse ist. Die spezielle Schutzhülle, Spelz genannt, schützt jedes einzelne Korn vor Fäulnis, saurem Regen, Feinstaub und sogar vor Radioaktivität. Der Anbau von Dinkel erfordert keine großen Ansprüche, denn Dinkel wächst auch auf kargem Boden und in einem rauen Klima und außerdem benötigt er keinen chemischen Dünger.

Für unser Verdauungssystem ist der Dinkel sehr geeignet, denn er ist leicht zu verdauen, enthält viele Vitamine (vor allem B-Vitamine), Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballaststoffe. Im Dinkel ist auch ein Stoff enthalten, welcher nicht nur die körpereigene Abwehr stimuliert, sondern auch eine antimikrobielle Wirkung besitzt und die Entwicklung von Bakterien hemmt – es ist dies das Thiocyanat.

Ein anderer Stoff, den nicht nur der Dinkel enthält sondern alle Getreidesorten, ist die Phytinsäure. Für die Pflanze selber ist die Phytinsäure wichtig und dient ihr als Speicher für gewisse Mineralstoffe. Für den Menschen gilt die Phytinsäure allerdings als so genannter Anti-Nährstoff, da sie die Verwertung gewisser Nährstoffe, die wir mit der Nahrung aufnehmen, verhindert. Dies betrifft z.B. Kalzium und Eisen. Phytinsäure ist hitzeresistent und wird beim Kochen nicht zerstört. Wenn man das Getreide allerdings einweicht, so wird die Phytinsäure durch das Enzym Phytase, welches im Getreide vorhanden ist, weitgehend abgebaut, und das Getreide wird dadurch für den Menschen bekömmlich.

Die wohl bekannteste Speise mit Dinkel nach Hildegard von Bingens Ernährungslehre ist das Habermus. Mit Hafer hat das Habermus allerdings nichts zu tun. „Haber heißt soviel wie Lebensspender. Die in alten Mythen und Sagen umwobene Habergeiß war ein Lebensgeist.“ (Quelle: http://hildegardvonbingen.de/habermus/)

Für das Habermus wird Dinkelschrot mit Wasser weich gekocht. Klein geschnittene Apfelstücke, Zimt, Honig und die Gewürze Galgant und Betram werden dann hinzu gegeben. In manchen Rezepten werden noch Flohsamen und gehackte Mandeln beigemischt.


Galgant, das Gewürz des Lebens, schätzte Hildegard von Bingen ebenso und sie hat ihn in sehr vielen Speisen verwendet. Im Asiatischen Raum, wo der Galgant auch seinen Ursprung hat, spielt er eine sehr wichtige Rolle und hat verschiedenste Einsatzgebiete, so wie beispielsweise bei Verdauungsbeschwerden, Beschwerden des Herzens oder bei Menstruationsbeschwerden. Desweiteren gilt er auch als entzündungshemmend und wird bei Problemen im Darm, die durch Bakterien, Pilzen oder Viren ausgelöst worden sind, angewendet. Verwendet wird ausschließlich die Wurzelknolle, welche getrocknet und zerkleinert wird. Denn hier stecken die wirksamen Substanzen drin: die ätherischen Öle, die Bitterstoffe Gingerol und Galangol, Flavonoide und Gerbstoffe.


Die Maroni oder Edelkastanie ist ein Muss in der Hildegard-Küche und sie sagte, dass die Frucht nützlich gegen jede Schwäche im Menschen ist. Botanisch gesehen ist die Edelkastanie eine Nuss, enthält aber anstatt einem hohen Anteil an Fett einen hohen Anteil an Kohlenhydraten und Ballaststoffen. Neben den enthaltenen Gerbstoffen (Tannine) sind vor allem auch die Bioflavonoide ein wertvoller Inhaltsstoff dieser kleinen, braunen Frucht, ebenso wie die enthaltenen Mineralstoffen und Spurenelementen Kalium, Calcium, Phosphor, Schwefel, Eisen, Magnesium, Kupfer und Mangan. Auch die enthaltenen Vitamine können sich sehen lassen. So nimmt man beim Verzehr dieser Frucht die Vitamine E, C, sämtliche B-Vitamine und das Provitamin A Betacarotin zu sich.

Hildegard von Bingen empfahl die Edelkastanie zur Stärkung von Milz und Magen und Menschen, die über Herz- und Leberschmerzen klagten. Da sie auch die Nerven stärkt, wurde sie auch bei psychischen Beschwerden eingesetzt und jenen empfohlen, die unter Traurigkeit litten.

Ich könnte jetzt noch unzählige weitere Gewürze und Lebensmittel aufzählen, wie beispielsweise die Quitte, den Ysop, den Quendel oder den Mutterkümmel. Oder auch über die „Küchengifte“ schreiben, wie sie Hildegard von Bingen nannte. Ein Ende zu finden ist schwer.

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Alles Gute und viel Spass mit der Energie-Küche der Hildegard von Bingen!

Sonja



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